| Liste der Krisen | Exponentielles Wirtschaftswachstum als wesentliche Ursache | Analogien zur Biologie bzw. zu Krankheiten eines Lebewesens |
| Wirtschaftskrisen, Inflationen, Deflationen und Staatsbankrotte | Seit ihrer Erfindung in der Antike stoßen stießen alle Versuche, exponentielles Wirtschaftswachstum zu organisieren an Grenzen. Hierbei wurden oft Phasen erreichten relativen Wohlstandes durch verkettete Unternehmenskonkurse und Massenarbeitslosigkeit beendet. | Arten können, durch eine neue Mutation oder durch Umweltveränderungen, die Zahl ihrer Individuen in einem Ökosystem zeitweise exponentiell erhöhen, bevor sie durch begrenzende Faktoren wieder dezimiert werden. Exponentielle Wachstumsprozesse gibt es auch in unserem Körper bei der Vermehrung von Krankheitskeimen und Krebszellen. Sie enden spätestens mit unserem Tod. |
| Massenwahn, Aufrüstung und Kriege | Die Konkurrenz um Rohstoff- und Absatzmärkte, die gebraucht werden um Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten spielte eine zentrale Rolle bei den Kriegen unserer Geschichte. Ihr Verlauf wird zunehmend von der Verfügbarkeit von Waffen und den Kapazitäten der Rüstungsindustrie bestimmt. Die propagandistische Mobilisierung der Bevölkerung führte immer wieder zu wahnhafter Begeisterung für Kriegsziele. | Massenwahnphänomene wie der Nationalsozialismus sind geistige Monokulturen. Sie müssen, wie die Monokulturen in der Landwirtschaft mit Gewalt organisiert werden und können durch Umweltveränderungen sehr schnell dezimiert werden. Konflikte unserer Seele können bekanntlich zu Autoimmunkrankheiten führen, bei denen sich die Zellen unseres Körpers, die eindringende Keime bekämpfen sollen unsere eigenen Zellen angreifen. |
| Die Verteilung von Arbeit und Einkommen | Mit dem Wachstum der Geldmenge wachsen die leistungslosen, und lange Zeit auch relativ risikolosen, Einkommen aus Zins und Unternehmensgewinnen. Der Anteil der Löhne an den erzielten Einkommen sinkt hingegen. | Die Möglichkeiten zur Selbsterhaltung und Gründung von Familien werden zunehmend ungerechter verteilt. In einem Lebewesen entspricht dieser Mangel an notwendigen Gütern des täglichen Bedarfes, letztlich sogar Lebensmitteln offenbar der Symptomatik der Kachexie. |
| Bevölkerungsexplosion, Hungerkatastrophen und Seuchen | Wichtigste Ursachen sind die Zerstörung stabil funktionierender Gesellschaftssysteme durch Integration in die Weltwirtschaft. Die Gewinnung billiger Rohstoffe und die Nutzung von Anbauflächen für Exportgüter fördert zwar das globale Wachstum. Die Bevölkerung der armen Länder, die hierzu oft von ihrem Land vertrieben wurde, profitiert kaum davon. In den riesigen Slums, die durch ihre Landflucht entstanden denkt natürlich niemand an Geburtenkontrolle. | Die Ernährung und die Gesundheit spielen bei allen Lebewesen eine zentrale Rolle und bestimmt ihre Evolution. Viele Menschen sterben heute auch, weil sie verseuchtes Wasser trinken müssen oder an Krankheiten, die mit preiswerten Medikamenten einfach behandelt werden könnten. Die „Koexistenz“ modernster Technik mit menschenunwürdiger Versorgung weiter Teile der Weltbevölkerung mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten ist ein besonders deutlicher Hinweis auf unsere Unfähigkeit bei der Lösung elementarer Probleme |
| Energiekrisen und Rohstoffverschwendung | Das normale Wirtschaftswachstum, das auf der Herstellung von Gütern des täglichen Bedarfs basiert, führt zu einem exponentiell wachsenden Verbrauch von begrenzt verfügbaren Energieträgern- und Rohstoffen. | Wenn wir unsere heutigen arbeitsteiligen Gesellschaftssysteme als Lebewesen ansehen, dann leben sie derzeit weitgehend von fossiler Energie und Mineralien, die sie nicht wieder verwenden. Uns droht somit ein Massensterben aller Technologien, die auf diese „Ernährung“ angewiesen sind |
| Umweltverschmutzung und Treibhauseffekt | Ein Unternehmen wächst umso schneller bzw. ist am konkurrenzfähigsten, wenn es bei der Gewinnung von Rohstoffen, bei der Bezahlung seiner Beschäftigten und bei der Beseitigung seiner festen, flüssigen und gasförmigen Abfälle so wenig Geld wie möglich ausgibt. | Kohlendioxid und anderer fester, flüssiger oder gasförmiger Müll entsprechen den Ausscheidungen eines Lebewesens. Wir sind nicht die erste Art, deren Lebensbedingungen sich verschlechtern, da ihre Ausscheidungen nicht abgebaut bzw. erneuert werden. |
| fehlende politische Bildung und die Unfähigkeit unsere Nachkommen auf die Welt vorzubereiten, in der sie als Erwachsene leben müssen | Demokratie als System erfordert politische Bildung der Wähler als Grundlage ihrer Wahlentscheidungen. Die Maximierung des Wirtschaftswachstums als Ziel erfordert jedoch, wie die irrationalen Wahlkämpfe zeigen, nur begrenztes Wissen. Ökologische und soziale Themen müssen mühsam von Bürgern in die Politik getragen und durchgesetzt werden. | Die Unsicherheit unserer Zukunftsperspektiven zeigt sich nicht zuletzt darin, dass wir nicht wissen, in welcher Welt die heutigen Kinder in 20 Jahren leben werden. In der Analogie entspricht dies den Problemen einer Art in einer sich schnell verändernden Umwelt, die richtigen Gene bzw. geeignete epigenetische Informationen an die nächste Generation weiterzugeben |